{"id":273,"date":"2020-05-17T11:04:54","date_gmt":"2020-05-17T11:04:54","guid":{"rendered":"https:\/\/miners.rocks\/?post_type=mineral&#038;p=273"},"modified":"2020-05-17T11:04:55","modified_gmt":"2020-05-17T11:04:55","slug":"%e6%96%b9%e8%a7%a3%e7%9f%b3","status":"publish","type":"mineral","link":"https:\/\/westgem.shop\/ja\/mineral\/calcit\/","title":{"rendered":"\u65b9\u89e3\u77f3"},"content":{"rendered":"\n<p>Calcit, Kalzit, Kalkspat oder Doppelspat, ist ein sehr h\u00e4ufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der \u201eCarbonate und Nitrate\u201c mit der chemischen Zusammensetzung Ca[CO3] und damit chemisch gesehen Calciumcarbonat.<\/p>\n\n\n\n<p>Calcit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem und entwickelt verschiedene Kristall- beziehungsweise Aggregatformen (Habitus). Calcit ist farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch wei\u00df erscheinen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt, und durch Fremdbeimengungen eine gelbe, rosa, rote, blaue, gr\u00fcne, braune oder schwarze Farbe annehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit einer Mohsh\u00e4rte von 3 geh\u00f6rt Calcit zu den mittelharten Mineralen, das hei\u00dft er ist mit einer Kupferm\u00fcnze ritzbar. Er dient als Bezugsgr\u00f6\u00dfe auf der bis 10 (Diamant) reichenden Skala nach Friedrich Mohs.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Etymologie und Geschichte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Calcit in Form von Kalkstein war bereits in der Antike bekannt und wurde im Alten Griechenland als \u03c7\u03ac\u03bb\u03b9\u03be ch\u00e1lix bezeichnet mit der Bedeutung \u201ekleiner Stein\u201c oder \u201eKies\u201c, aber auch Kalk beziehungsweise Kalkstein. Die im R\u00f6mischen Reich verwendete Bezeichnung calx wird als Lehnwort aus dem Griechischen angesehen, steht jedoch in der Bedeutung nur f\u00fcr rohen und gel\u00f6schten Kalk, der als M\u00f6rtel diente. Der als Baustoff verwendete Kalkstein wurden den Marmoren zugeordnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Den bis heute g\u00fcltigen Namen Calcit (urspr\u00fcnglich Kalzit) f\u00fcr das Mineral pr\u00e4gte 1845 Wilhelm von Haidinger, der den bis dahin fehlenden, \u00fcbergeordneten Namen f\u00fcr alle dessen Ausbildungsformen (Kalkstein, Kalkspat, Doppelspat, Mondmilch usw.) beanstandete. Er orientierte sich dabei an der \u00fcbergeordneten Bezeichnung Calcaire von Delam\u00e9therie und Beudant, die allerdings auf die franz\u00f6sische Sprache beschr\u00e4nkt blieb.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Eigenschaft von Calcit, in allen Formen und Kombinationen des rhomboedrischen Systems kristallisieren zu k\u00f6nnen, hatte f\u00fcr die Herleitung der Gesetze der Kristallographie eine nicht zu untersch\u00e4tzende Bedeutung. So hatte der englische Arzt William Pryce bereits 1778 die Grundlagen der Kristallographie vorgeahnt, als er in der Mineralogia Cornubiensis feststellte, dass sich alle Formen des Calcits durch einfache Spaltung aus der Grundform des Rhomboeders ergeben. Der franz\u00f6sische Mineraloge<\/p>\n\n\n\n<p>Ren\u00e9-Just Ha\u00fcy (1743\u20131822) entwickelte auf dieser Grundlage die erste, auch praktisch nutzbare Kristallographie. Wie so oft rankt sich auch um Ha\u00fcys Entdeckung eine Legende. Ha\u00fcy st\u00fcrzte ein gro\u00dfer Calcitkristall vom Tisch zu Boden und zersprang in viele Einzelteile. Beim Aufheben der Bruchst\u00fccke bemerkte Ha\u00fcy, dass zwar alle eine andere Form hatten, aber alle dem rhomboedrischen Islandspat glichen. Ha\u00fcy wiederholte den Vorgang mit den unterschiedlichen Kristallformen des Calcits und jedes Mal erhielt er einen Rhomboeder. Aus dieser Beobachtung schloss er, dass die Kristalle aus der Wiederholung des Elementargitters beziehungsweise der Elementarzelle in den drei r\u00e4umlichen Richtungen entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Beobachtungen hielt er in den Jahren 1781 und 1782 in seinem Buch Memoire sur la structure des crystaux fest. Darin waren erstmals die Grundgesetze der Kristallographie formuliert und am Beispiel des Calcits erl\u00e4utert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bildung und Fundorte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Gleichgewicht der obigen Reaktion verlagert sich mit steigender Temperatur zunehmend auf die rechte Seite. In warmen Gew\u00e4ssern k\u00f6nnen Lebewesen also mit geringerem Energieaufwand Kalkgeh\u00e4use bauen. Kesselstein entsteht, wenn man kalkhatliges Wasser erhitzt. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Calcit kann sowohl massiv als auch k\u00f6rnig, faserig oder in Kristallen erscheinen und zeigt in letzterem Falle den h\u00f6chsten Formenreichtum aller Minerale. Es ist als Gesteinsbildendes Mineral eines der h\u00e4ufigsten Minerale der Erdkruste und kommt sowohl in magmatischen, zum Beispiel in Karbonatiten, in metamorphen (Marmor) oder Sedimentgesteinen wie Kalkstein vor. Es tritt allein oder mit anderen Mineralen in G\u00e4ngen auf, entsteht aber auch an der Erdoberfl\u00e4che. H\u00e4ufig entstand\/entsteht Calcit durch Biomineralisation.<\/p>\n\n\n\n<p>Die weitaus gr\u00f6\u00dften Calcitvorkommen gehen auf Meeresablagerungen zur\u00fcck. Dabei setzen sich die calcithaltigen Skelette und Schalen unz\u00e4hliger kleiner Meerestiere wie etwa Muscheln, Korallen und diverser Protisten, wie die Coccolithophoriden, am Meeresgrund ab. Diese Kalkalgen sind kleiner als 30 Mikrometer und werden zum Nanoplankton gez\u00e4hlt. Sie bilden winzige Kalkschilde, die sogenannten Coccolithen, die nach dem Absterben der Algen auf den Ozeanboden sinken. Die Kreidefelsen von Dover bestehen aus solchen Coccolithen. Auch Korallenriffe spielen bei der Calcitbildung eine herausragende Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Anorganische, abiogene Bildungsbereiche von Calcit sind flache, im Intertidalbereich gelegene, tropische Meeresplattformen. Dort wird Calcit in Form von millimeterkleinen K\u00fcgelchen (Kalkooiden) ausgef\u00e4llt. Calcit im Marmor geht auf thermische Metamorphose von Calcitsedimenten zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab einer Meerestiefe von 3500 Metern, der so genannten Calcit-Kompensationstiefe, l\u00f6st sich Calcit vollst\u00e4ndig in Wasser. Daher bleiben in dieser Tiefe weder calcithaltige Sedimente noch Muschelschalen oder Skelette erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Calcit kommt als Einlagerung in die Statolithenmembran der Makulaorgane des Innenohres vor. Es spielt dort eine gro\u00dfe Rolle bei der Wahrnehmung von Beschleunigungen und der Lotrichtung.<\/p>\n\n\n\n<p>Bekannt aufgrund au\u00dfergew\u00f6hnlicher Calcitfunde ist vor allem Island, wo neben dem wasserklaren Doppelspat auch die bisher gr\u00f6\u00dften Kristalle gefunden wurden. Am Helgustadir nahe Rey\u00f0arfj\u00f6r\u00f0ur hatte der gr\u00f6\u00dfte Kristall eine Abmessungen von 7 m \u00d7 7 m \u00d7 2 m und der schwerste ein Gewicht von 280 t. In der \u201eSterling Bush\u201c-H\u00f6hle im Lewis County (New York) wurde ein Calcit-Rhomboeder von 109 cm \u00d7 95 cm \u00d7 46 cm und einem Gewicht von rund 500 kg gefunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Einer der gr\u00f6\u00dften in Museen ausgestellten Calcite mit einem Gewicht von 230 kg befindet sich im Natural History Museum in London.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":0,"parent":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"class_list":["post-273","mineral","type-mineral","status-publish","hentry"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/westgem.shop\/ja\/wp-json\/wp\/v2\/mineral\/273","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/westgem.shop\/ja\/wp-json\/wp\/v2\/mineral"}],"about":[{"href":"https:\/\/westgem.shop\/ja\/wp-json\/wp\/v2\/types\/mineral"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/westgem.shop\/ja\/wp-json\/wp\/v2\/mineral\/273\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/westgem.shop\/ja\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=273"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}